Vom roten Auto zu Hundekotbeuteln - eine Reise in mein Gehirn

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, jede Woche einen Blogartikel zu schreiben. Aber mein Gehirn hat gerne mal andere Pläne.
Da gibt es die verlockenden Dinge, die plötzlich um die Ecke kommen und natürlich unbedingt bearbeitet werden müssen. Eine Stunde Aufschub? Um Himmels Willen! Da ruft eine neue Idee, etwas, das erschaffen werden will. Oder ich wollte noch unbedingt nach irgendwas im Internet suchen.
Man kann sich ein neurodivergentes Gehirn wie einen Baum mit vielen verzweigten Ästen vorstellen. Man fängt irgendwo an zu denken, nur ein kleiner Gedanke, zum Beispiel: Das Auto ist rot. Dann geht der Gedanke weiter zu: Es gibt gar nicht mehr so viele rote Autos. Warum eigentlich? Vielleicht überlegt man dann, dass vieles uniformer geworden ist, dass die Autos früher viel bunter waren. Und verfolgt es weiter zu der Frage, warum das eigentlich so ist.
Von „uniformer“ gelangt man zu: Wie sind eigentlich die Jugendlichen heutzutage drauf, die sehen eigentlich auch alle irgendwie gleich aus. Jugendliche also. Dann geht es weiter über das Verhalten von Jugendlichen zur Erziehung der Eltern. Haben die Eltern so uniform erzogen oder waren sie so bunt, dass die Jugendlichen aus Rebellion uniform geworden sind?
Zack, ist man bei den Erwachsenen im Allgemeinen angekommen. Bei den Erwachsenen wird es dann gern mal politisch, bei mir in meinem Labyrinth zumindest. Von Politik vielleicht zur Philosophie, mit Umwegen über die Psychologie.
Und alles hat mit einem roten Auto angefangen. Diese Gedanken habe ich übrigens in einem Rutsch während der Autofahrt von mir gegeben. Sie sind nur nachträglich in ein etwas besseres Deutsch überführt worden.
Mein Hirn ist selten eine Autobahn, es gleicht eben eher einem Baum, dessen Äste man bis zum kleinsten Blatt verfolgt. Und auf einmal sitzt man weit entfernt vom Stamm, wo es eigentlich um ein rotes Auto ging.
Genauso ist es mit den Dingen, die man sich vornimmt. Ich habe mir also vorgenommen, einen Blogartikel pro Woche zu schreiben. Und dann poppt irgendwo etwas auf, eine Textzeile, die mir plötzlich in den Kopf kommt. Und ich denke: Oh geil, da könnte ich ein Lied draus machen. Und dann fange ich erst mal an, dieses zu schreiben. Und wenn ich einen Text stehen habe, möchte ich natürlich auch Musik dazu.
Und dann fange ich an, die Musik dazu zu machen. Und wenn ich die Musik habe, dann will ich natürlich auch Bilder dazu haben. Und dann fange ich an, Bilder zu machen. Viele Szenen, Worte, Bilder, die oft mit Gefühl verbunden sind. Gefühl und die Erwartung, etwas Schönes zu erschaffen, sind einfach das größere Dopaminversprechen. Und drei Tage später fällt mir dann ein, dass ich eigentlich einen Blogartikel schreiben wollte.
So passiert es natürlich auch bei kleinen Alltagsdingen: „Ich muss nachher unbedingt den Brief mitnehmen.“ Diesen stellt man sich dann auch schon so hin, dass man ihn sieht. Dadurch, dass man dann aber schon mehrmals am Tag an dem Brief vorbeiläuft, verschwindet er optisch und integriert sich in den Rest des Flures. Und wenn man dann losgehen will, natürlich wie immer in Gedanken, lässt man den Brief natürlich liegen.
Vor ein paar Tagen habe ich mir Hundekotbeutel gekauft – meint ihr, ich weiß, wo sie geblieben sind? Ich kann mich an den Kauf erinnern und daran, sie mit ins Auto genommen zu haben, und dann wird es dunkel. Wahrscheinlich, weil ich in Gedanken bei roten Autos war. Oder irgendwo zwischen Stamm und Blatt. Ich bin gespannt, wo sie wieder auftauchen.
Und nun bin ich von einem geplanten Blogartikel bei Hundekotbeuteln gelandet, so funktioniert mein Gehirn.
TAKEAWAY 🐧
Neurodivergente Gehirne funktionieren meist eher wie ein verzweigter Baum und weniger wie eine Autobahn.









