Applaus ist nicht dasselbe wie Resonanz

15. März 2026


Im Zeitalter der Klicks, Likes und Kommentare wird es immer wichtiger, einmal hinzugucken, worum es Menschen dabei eigentlich geht. Wir werfen schnell mal mit dem Satz um uns: Ach, er oder sie braucht mal wieder Bestätigung. «Natürlich lassen sich manche gern feiern und sonnen sich in 200 Likes bei Facebook, aber ist das erfüllend und nachhaltig?

Ich denke, jeder Mensch freut sich über Bestätigung oder Anerkennung für das, was er tut. Ich nehme mich darin nicht aus. Mit einem Projekt, das mich viel Arbeit gekostet hat und auf das ich stolz bin, laufe ich manchmal immer noch los wie ein kleines Kind mit einem frisch gemalten Bild.

Ich erschaffe Dinge in erster Linie für mich selbst und aus mir heraus. So ist auch diese Website entstanden. Mich erfüllen wirklich gute Projekte mit einem inneren Stolz und einer Zufriedenheit, die mir jemand im Außen nicht geben kann. Ich kann auch durchaus kritisch auf meine Arbeiten gucken und etwas nicht besonders gut gelungen finden. Mein stärkster Kritiker bin immer ich. Wenn mein innerer Kritiker aber kaum noch etwas zu meckern hat, bin ich bereit, es der Welt zu zeigen. Und dann macht sich der Unterschied zwischen Bestätigung und Resonanz sehr schnell bemerkbar.

Bestätigung funktioniert über eine kurze positive Rückmeldung. Das können im Internet Aufrufe oder Likes sein und im wahren Leben Sätze wie: »Tolles Bild!« oder »Super gemacht!«. Es ist ein kurzes Lob oder Zustimmung und pusht den Dopaminspiegel etwas hoch. Das Selbstwertgefühl freut sich, aber dann ist es auch schon wieder vorbei. 100 Likes pushen dann noch ein wenig weiter, aber am Ende fühlt es sich doch ein Stück weit schal an. Manche produzieren dann möglichst viel, um mehr Likes zu bekommen und das immer wieder. Sie jagen dem Dopamin hinterher. Genau darauf ist das Internet übrigens ausgelegt.

Warum aber vergeht das Gefühl so schnell? Weil es nicht tief genug ist. Ein »super!« bewertet kurz das Ergebnis und macht dann einen Haken dran. Das Werk wird begutachtet, nicht der Mensch dahinter. Es ist natürlich bei Fremden und im Internet auch schwer, einen Blick auf den Menschen zu werfen. Aber im engeren Kreis ist der Unterschied zu Resonanz deutlich spürbar. Resonanz steht für eine »antwortende Beziehung« zwischen Menschen oder dem Menschen und der Welt. Sie bedeutet, dass das Gegenüber berührt ist oder sich zumindest tiefer auf etwas einlässt. Es ist ein Dialog, der Interesse zeigt, konkretes Feedback gibt und durchaus auch konstruktive Kritik enthalten kann.

Wenn wir das Beispiel »gemaltes Bild« nehmen, dann ist Bestätigung ein »Toll gemacht« und Resonanz ein »Gefällt mir gut. Was nimmst du dir für Farben? Was hast du dir dabei so gedacht?«. Man kann es auch aufs Internet übertragen. Likes geben kurze Bestätigung und ein Kommentar, der zeigt, dass jemand tatsächlich etwas gelesen hat und dazu noch eine Frage hat oder etwas spiegelt, ist Resonanz. Und was wirkt wohl nachhaltiger auf den Erschaffer? 200 Likes oder ein Kommentar?

Die meisten Menschen (besonders die kreativen) suchen eigentlich Resonanz, verwechseln sie aber mit Bestätigung. Deshalb kommt es zur Dopaminjagd. Wahre Resonanz aber ist wie ein Echo. Man fühlt sich gesehen und verstanden. Bestätigung ist nur ein kurzer Rausch, in dem man sich trotzdem nicht gesehen fühlt.

Das Problem ist, dass Bestätigung zu geben kommunikativ viel einfacher ist, als wirklich in Resonanz mit etwas zu gehen. Denn für Resonanz muss man sich zumindest etwas intensiver mit etwas beschäftigen, das jemand anderes erschaffen hat. Deshalb liken viele eher, als zu kommentieren. Sie wollen nicht noch mehr Energie hineingeben.

Im engeren Umfeld kann das leider auch passieren. Man kann Bestätigung bekommen und trotzdem fühlt es sich so an, als ob der andere sich eigentlich nur am Rande für etwas interessiert. Ein kurzer Blick auf etwas, ein kurzes »Toll!«, zack Haken dran. Zurück bleibt in dem Moment Leere.

Bei neurodivergenten Menschen ist das Thema Resonanz häufig noch präsenter. Viele neurodivergente Menschen haben eine sehr feine Wahrnehmung für authentische vs. oberflächliche Kommunikation. Deshalb wirkt Resonanz für sie oft deutlicher ehrlicher und greifbarer als bloße Bestätigung. Zudem orientieren sich Neurodivergente häufiger an Inhalt und Interesse statt an sozialen Konventionen. Bestätigung wirkt dann oft eher leer, während Resonanz bedeutet, dass sich jemand wirklich mit dem Thema beschäftigt hat. Tiefer Austausch ist auch deshalb wesentlich wichtiger, weil sich das Gegenüber mit in die eigenen Tiefen bewegt. Das schafft Verbindung. Ein resonanzfreier Raum ist für neurodivergente Menschen nicht lange haltbar.

Vielleicht sollten wir alle vor einem kurzen »Toll!« kurz innehalten und uns fragen, ob wir es wirklich so meinen oder das Gegenüber nur mit kurzer Bestätigung abspeisen möchten. Und anschließend könnten wir uns fragen, ob wir Lust haben, in die Gedankengänge des anderen einzutauchen und wirklich mit ihm in Resonanz zu gehen. Oder ob der Energieaufwand für uns gerade zu viel ist. Interessieren wir uns in dem Moment für den Menschen vor uns oder ist es uns eigentlich egal?

Beides hat durchaus seine Berechtigung, aber nur bei Resonanz entsteht wirkliches miteinander Schwingen.

TAKEAWAY 🐧
Applaus ist angenehm, aber Resonanz bedeutet, dass wirklich jemand zugehört hat.
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